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Residualeinkommen und Ausschüttungen im direkten Vergleich — ein ehrlicher Blick

Der Begriff Residualeinkommen fällt bei uns ständig, und ich habe lange nicht sauber unterschieden zwischen dem, was wir darunter verstehen, und dem, was an der Börse unter laufenden Erträgen läuft. Inzwischen habe ich beides und würde die Unterschiede gern mal nebeneinanderstellen, weil sie größer sind, als ich dachte.

Beim Residualeinkommen im Vertrieb hängt der laufende Ertrag an einer Struktur, die man aufgebaut hat. Solange die Struktur aktiv ist, kommt etwas zurück. Aber sie ist eben nicht statisch: Leute steigen aus, das Unternehmen ändert den Vergütungsplan, ein Produkt läuft aus. Wer glaubt, das laufe ohne jede Pflege weiter, hat das entweder noch nicht lange genug gemacht oder hatte großes Glück.

Bei einer Dividende hängt der Ertrag an einem Unternehmen, an dem ich beteiligt bin, und an dessen Entscheidung, einen Teil des Gewinns auszuschütten. Ich habe darauf null Einfluss. Das klingt schlechter, hat aber einen Vorteil: Es hängt auch nicht an meiner Aktivität, an meiner Motivation oder daran, ob ich diesen Monat Zeit hatte.

Der zweite große Unterschied ist die Abhängigkeit. Im Vertrieb hängt alles an einem Unternehmen und dessen Entscheidungen. Wenn dort etwas Grundlegendes passiert, ist das komplette Einkommen betroffen. Ein Depot lässt sich dagegen über viele Unternehmen und Branchen verteilen. Wenn eines kürzt, betrifft das einen kleinen Teil.

Der dritte Unterschied, und den finde ich am wichtigsten: Aufbaugeschwindigkeit. Im Vertrieb kann man mit viel Einsatz relativ schnell etwas aufbauen. An der Börse geht das nicht. Dort ist die Geschwindigkeit durch das begrenzt, was man einzahlen kann, und das lässt sich durch Fleiß nicht beschleunigen.

Deshalb sehe ich die beiden nicht als Konkurrenz. Das eine ist der schnellere, aktivere Weg, das andere der langsamere, ruhigere. Ich nutze das erste, um Geld zu verdienen, und das zweite, um zu behalten.

Gelernt habe ich die Aktienseite über die Dividenden Strategie Masterclass von Andreas Hollmotz, der als Dividenden Backpacker auftritt. Ich hatte vorher versucht, mir das über Videos anzueignen, und stand am Ende mit einem Depot da, dessen Zusammensetzung ich nicht begründen konnte.

Der Kurs hat elf Module, über 65 Lektionen und insgesamt mehr als elf Stunden Videomaterial. Behandelt werden Auswahl, Bewertung und Zeitpunkte. Dazu gehört Zugang zum Newsroom mit später ergänztem Material. Bezahlt wird einmalig, ohne Abo und ohne Verlängerung. Nach Zählung des Anbieters haben bislang mehr als 700 Leute teilgenommen.

Was mir dabei besonders geholfen hat, ist eine Denkfigur, die wir aus dem Vertrieb eigentlich kennen sollten: Man schaut sich an, ob die laufende Zahlung aus einer gesunden Quelle kommt oder aus der Substanz. Bei einem Vergütungsplan fragt man sich, ob er dauerhaft finanzierbar ist. Bei einer Ausschüttung ist die Frage identisch, nur mit anderen Zahlen.

Ehrlich dazu: Auch das kann schiefgehen. Kurse können deutlich fallen, und eine Dividende wird jedes Jahr neu beschlossen, kann also gekürzt oder ganz gestrichen werden. In Krisen passiert das bei vielen Unternehmen gleichzeitig. Und wer erwartet, damit in ein paar Jahren ein Einkommen zu ersetzen, unterschätzt die nötigen Beträge erheblich.

Wer die Kapitel im Einzelnen sehen will, findet die Aufstellung auf der Produktseite. Auch ohne Partnerlink führt eine Suche nach dem Namen zum Ziel.

Was ich aus dem Vertrieb mitgenommen habe und was hier überraschend gut passt: Regelmäßigkeit schlägt Intensität. Wer jeden Monat einen kleinen Betrag einzahlt, kommt über viele Jahre weiter als jemand, der einmal viel investiert und danach nichts mehr macht. Das ist beim Aufbau einer Struktur nicht anders.

Ein Unterschied noch, den ich unterschätzt hatte: Im Vertrieb hilft es, mit anderen zu reden und Motivation zu holen. Beim Depot ist der Austausch eher gefährlich, weil man sich dabei ständig neue Ideen einredet. Ich halte mich da inzwischen bewusst zurück.

Wie seht ihr das? Habt ihr neben dem Vertrieb etwas laufen, das komplett unabhängig davon ist? Und würdet ihr eher aufstocken oder streuen, wenn ihr jetzt anfangen würdet?